Soziale Verantwortung: eine Herausforderung in der IT-Produktlieferkette

Soziale Verantwortung ist eine ständige Herausforderung über die gesamte IT-Lieferkette hinweg. Von der Rohstoffgewinnung bis zur Endmontage sind Arbeitszeiten, Gesundheit und Sicherheit sowie Zwangsarbeit Beispiele für Herausforderungen, die die ganze Branche betreffen.

Wie in der Textil- und Möbelindustrie wird auch ein Großteil der Fertigung von IT-Produkten in Niedriglohnländern abgewickelt, in denen die Arbeitnehmer oft weniger geschützt und die Beschäftigung weniger gut geregelt ist als in entwickelteren Ländern. Kürzere Produktzyklen und eine wachsende Nachfrage nach neuen Technologien erhöhen den Druck auf die Industrie und ihre komplexe Lieferkette, neue Geräte schneller und kostengünstiger zu liefern. Die Folge können schlechte Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette sein, die die menschliche Gesundheit und das Leben der Arbeitnehmer gefährden.

Einige wichtige Fragen zur sozialen Verantwortung:

Verletzungen des Arbeitsrechts
  • Übermäßige Arbeitszeiten
  • Fehlende Freizeit
  • Minderjährige Arbeiter
  • Diskriminierung von Frauen und Wanderarbeitnehmern
  • Lohnabzüge aus disziplinarischen Gründen
  • Zu niedrige Löhne, um fundamentale Lebenshaltungskosten zu decken
  • Vom Arbeitgeber nicht korrekt geleistete Sozialversicherungsbeiträge
  • Unzureichende Arbeitszeiterfassungssysteme
Fehlende Bestimmungen zu Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer
  • Fehlende notwendige Genehmigungen
  • Unzureichende Arbeitshygiene
  • Unzureichender Schutz vor Gefahrstoffen
  • Unzureichende und unzugängliche Notausgänge
  • Unzureichende Sicherheitsmaßnahmen
Zwangsarbeit
  • Fehlende Verfahren zum Schutz vor Menschenhandel
  • Androhung von körperlicher oder sexueller Gewalt
  • Bewegungseinschränkung
  • Finanzielle Zwangsarbeit (Schuldsklaverei)
  • Lohneinbehalt
  • Einbehalten von Reisepässen, Ausweisen oder Abschlüssen
  • Androhung der Anzeige bei Behörden
Vereinigungsfreiheit
  • Beschränkungen für Mitarbeiter, sich frei zu organisieren und mit der Geschäftsführung zu verhandeln.

Komplexe Lieferketten erschweren Zugang und Transparenz

Für diejenigen, die mehr soziale Verantwortung übernehmen wollen, ist die Komplexität der IT-Produktlieferkette ein wichtiges Thema. Der Computer oder das Smartphone kann Tausende von Komponenten enthalten, und das Netzwerk von Subunternehmern, die Komponenten und Rohstoffe liefern, umfasst eine Vielzahl von Unternehmen auf mehreren Kontinenten.

Produktion ist ein schrittweiser Prozess: Angefangen mit Minen und Ölfeldern über Schmelzwerke, in denen Rohstoffe veredelt werden, bis hin zur Herstellung von Materialien wie Kunststoffen, die wiederum an Komponentenhersteller geliefert werden. Schließlich werden die Komponenten in einem oder mehreren Endmontagewerken zum Endprodukt montiert. Der Markeninhaber, dessen Logo Sie auf dem Produkt sehen, besitzt selten die Fabriken, in denen das Produkt hergestellt wird. Welche Fabriken verwendet werden, kann im Laufe der Zeit variieren.

Die Komplexität der Lieferkette bedeutet, dass es für eine Einkaufsorganisation fast unmöglich ist, die Herkunft eines Produkts nachzuverfolgen oder die Bedingungen zu überwachen, unter denen es hergestellt wird. Um einen Einblick darin zu gewinnen, sind Fachkompetenz, Ressourcen und Zugang erforderlich.

Was Sie tun können

Fragen Sie Ihren Lieferanten, ob Fabrikarbeiter Missstände anonym und ohne dem Risiko von negativen Konsequenzen melden können.

Verlangen Sie, dass sich Ihr Lieferant von IT-Produkten den Nachhaltigkeitsrisiken annimmt und kontinuierliche Verbesserungen in der Lieferkette vorantreibt.

Stellen Sie sicher, dass die Bemühungen Ihres Lieferanten hinsichtlich sozialer Verantwortung von einer unabhängigen Partei überprüft werden. Wenn Sie nicht über die Ressourcen verfügen, um es selbst zu tun, nutzen Sie eine vertrauenswürdige Nachhaltigkeitszertifizierung.

Wie TCO Certified die Förderung von sozialer Verantwortung vorantreibt

Die Kriterien von TCO Certified bilden einen Rahmen, den die IT-Branche verwenden kann, um die Arbeitsbedingungen und das -umfeld in der Lieferkette stetig und systematisch zu verbessern.

  • Die Fertigung muss sich an die acht Kernkonventionen der ILO und die UN-Konvention über die Rechte des Kindes sowie an die nationalen Gesetze über Arbeitnehmerrechte, Gesundheit und Sicherheit, Mindestlohn und soziale Sicherheit im Herstellungsland halten.
  • Markeninhaber müssen über ein System zum Anti-Korruptionsmanagement verfügen, das unabhängig überwacht wird. Dies hilft ihnen, ihr Vorgehen gegen Korruption zu strukturieren.
  • Die maximale Arbeitszeit darf 60 Stunden einschließlich Überstunden nicht überschreiten, unabhängig von den vor Ort geltenden Gesetzen. Die Mitarbeiter müssen nach sieben aufeinanderfolgenden Arbeitstagen einen Tag frei haben.
  • Wir treiben den Wandel dort voran, wo er am dringendsten benötigt wird, indem wir die Fabriken nach Risiko einstufen. Wir fordern häufiger Audits in Fabriken mit einer hohen Risikoeinstufung als in Fabriken mit niedrigem Risiko.
  • Unsere Kategorien für Fabriken sind nachvollziehbar, um Markeninhabern die Möglichkeit zu geben, Produktionsstätten auszuwählen, die sich proaktiv mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen.
  • Markeninhaber müssen sicherstellen, dass ihre Lieferanten über ein Managementsystem zur stetigen Überwachung und Verbesserung der Umsetzung der Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften in den Fabriken (nach ISO 45001 oder OHSAS 18001) sowie ein Umweltmanagementsystem (nach ISO 14001 oder EMAS) verfügen.
  • Markeninhaber müssen über ein öffentliches, weltweit geltendes Regelwerk zur verantwortungsvollen Beschaffung von Mineralien verfügen, das mindestens 3TG und Kobalt umfasst. Sie müssen Risikomineralien zudem über ihre gesamte Lieferkette bis hin zu den Schmelz- und Raffineriebetrieben verfolgen können und zugleich an einem weltweiten Programm teilnehmen, das sich für die Unterstützung des legitimen Bergbaus und lokaler Gemeinschaften einsetzt.

  • Die Mitarbeiter in den Fabriken müssen Schutzausrüstung tragen und über die Risiken bei der Verwendung gefährlicher Chemikalien aufgeklärt werden.
  • Die Verwendung von Gefahrstoffen in Produkten ist eingeschränkt.
  • TCO Certified unterstützt ebenfalls die positive Entwicklung bei der sozialen Verantwortung, indem es Best Practice-Beispiele sammelt und diese zur Verfügung stellt. Anhand dieser Beispiele ist es der Industrie möglich zu lernen.

TCO Certified ist die weltweit umfassendste Nachhaltigkeitszertifizierung für IT-Produkte und hilft Ihnen dabei, verantwortungsvolle Produktentscheidungen zu treffen, die die Branche in eine nachhaltige Richtung lenken. Der Einsatz von TCO Certified unterstützt Ihr Unternehmen auch dabei, den nächsten Schritt in Sachen sozialer und ökologischer Verantwortung zu gehen.

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Informationsquellen
  • The Global E-waste Monitor 2017. The United Nations University, the International Telecommunication Union, and the International Solid Waste Association, 2017.
  • Andreas Rehn, Certification Manger, TCO Development.