Immer mehr müssen Unternehmen nicht nur auf die unmittelbaren Konditionen bei der Beschaffung von IT-Equipment achten, wie etwa den Einstandspreis, sondern auch auf den langfristigen „Fußabdruck“, den die erworbene Technik in Umwelt und Gesellschaft erzeugt.

Diese Stellungnahme wird veröffentlicht von Cebra.biz

Die Gründe dafür sind vielschichtig – allerdings ist es in Zeiten des Klimawandels und der Fokussierung auf verantwortungsvolles Wirtschaften für Unternehmen, Behörden und Organisationen kaum mehr vorstellbar, keine Verantwortung für den Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit zu übernehmen. Doch welche Schritte sollten Einkäufer konkret unternehmen, um für mehr Nachhaltigkeit zu sorgen?

Zunächst sollte die eigene Situation hinterfragt werden. Hat die Organisation bereits Ziele zum nachhaltigen Wirtschaften definiert? Und haben diese Ziele gegebenenfalls schon Eingang in die eigenen Beschaffungsrichtlinien gefunden. Falls darüber hinaus im Unternehmen bereits eine Gesamtstrategie zur Nachhaltigkeit entwickelt wurde, ist es hilfreich zu klären, ob diese auch den IT-Einkauf berücksichtigt. Doch auch wenn ein Unternehmen diese Schritte noch nicht umgesetzt hat, kann es mittels seines Beschaffungswesens dennoch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, indem es gezielt nachhaltigere Produkte nachfragt.

Messbare Ziele definieren

Um das Unternehmen, eine Behörde oder eine andere Organisation jedoch auf nachhaltiges Wirtschaften gut vorzubereiten, sollten sie Richtlinien und Pläne mit genau definierten, messbaren Zielen und Vorgaben zur Reduzierung ökologischer und sozialer Auswirkungen von IT-Produkten formulieren. Hier müssen nicht nur die Umstände der Produktion und Entsorgung des Produktes an sich, sondern auch die Auswirkungen des Durchlaufs in der gesamten Lieferkette im Fokus stehen. Zu letzterem gehört beispielsweise die Vermeidung unnötiger Transportwege oder die Einhaltung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen bei den Unternehmen der Lieferkette. Auch sollten Faktoren wie etwa eine längere Produktnutzung, die Wiederverwendung beziehungsweise die Möglichkeit der Reparatur, des Upgrades oder die umweltschonende Rücknahme zu einer Zirkularität beitragen.

ISO Typ-1-Zertifikat als Maßgröße

In der Folge gilt es, die Lieferanten miteinzubeziehen. Das Thema Nachhaltigkeit sollte in der Ausschreibung beziehungsweise früh im Beschaffungsprozess angesprochen werden. Damit beide Seiten sich auf messbare Größen beziehen, ist die Referenz auf eine schon existierende Nachhaltigkeits-Zertifizierung sinnvoll, die ihre Praxistauglichkeit bereits unter Beweis gestellt hat. Besonders eine Zertifizierung mit Umweltzeichen Typ I (nach ISO 14024) ist hier zu empfehlen. Bei einer Zertifizierung dieses Typs müssen die Kriterien von Dritten entwickelt worden sein und ihre Einhaltung muss von einer unabhängigen Instanz überprüft werden. So kann sich der Käufer sicher sein, dass es sich bei dem Nachhaltigkeits-Label nicht um profanes Green Washing handelt.

Um direkt zu kommunizieren, welche Bedeutung die Nachhaltigkeit der zu liefernden Produkte im Beschaffungsprozess hat, kann bereits in der Ausschreibung die Benennung entsprechend explizit formuliert werde. Etwa „Beschaffung von nachhaltigen Notebooks“. Darüber hinaus sollte vertraglich festgehalten werden, dass die Zertifizierung über die gesamte Dauer des Beschaffungsvertrags gewährleistet sein muss. Das erspart offene Fragen bei etwaiger Aktualisierung der Modelllinie. Um Angebote zu berücksichtigen, die noch keine Zertifizierung aufweisen, können Qualifizierungsfristen festgesetzt werden, in denen das Zertifikat nachgereicht werden muss. Auf diese Weise kann der Einkäufer auch Hersteller dazu animieren, sich mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, für die dieses Thema bislang nur von nachrangiger Bedeutung ist. Um sämtliche Eventualitäten abzudecken, steht es Unternehmen zudem frei, eine Strafklausel in die Lieferantenverträge zu integrieren, die im Falle einer Nichteinhaltung durch den Lieferanten greift. Dies sollte eine weitere Motivation sein, um nachhaltiges Wirtschaften durchzusetzen.

Auf Überprüfung der Lieferkette bestehen

Natürlich müssen die vorab definierten Bedingungen nach Vertragsunterzeichnung überprüft werden. Doch genau dieser Schritt stellt eine der größten Herausforderungen bei der nachhaltigen Beschaffung dar. Organisationen sind aufgrund begrenzter eigener Ressourcen oftmals nicht in der Lage, die Angaben der Hersteller zu überprüfen. Auch dabei kann ein Rückgriff auf Zertifikate hilfreich sein. Die Zertifizierungs-Instanz sorgt für eine unabhängige Überprüfung der Angaben und fordert bei etwaiger Nichteinhaltung seitens des Herstellers umgehende Korrekturmaßnahmen.

Ob die gelieferten Geräte den Kriterien genügen, können Einkäufer in der Regel leicht nachvollziehen. Seriöse Anbieter entsprechender Zertifizierungen bieten auf ihren Webseiten meist Listen geprüfter Geräte an. Wenn neue Modelle geliefert werden, sollten Organisationen sich die dazu gehörenden Zertifikate vom Hersteller zusenden lassen, um sicherzugehen, dass sämtliche Vorschriften eingehalten wurden, und dass sie sich im Einklang mit den eigenen Compliance-Richtlinien befinden.

Wichtig ist jedoch, dass nicht nur einzelne Aspekte in die Zertifizierung miteinfließen. Denn nur umfangreiche Kriterien geben darüber Aufschluss, wie nachhaltig ein Produkt wirklich ist und welchen Einfluss seine Herstellung, Nutzung und Entsorgung tatsächlich auf Umwelt und Gesellschaft haben. Dementsprechend durchleuchten Anbieter von Zertifizierungen wie TCO Certified den gesamten Prozess. Darunter fällt nicht nur die Beschaffenheit des Gerätes, sondern auch der Abbau der dafür notwendigen Rohstoffe, der Verbrauch von Ressourcen wie etwa Energie im Produktionsprozess, Produktionsbedingungen wie Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz, Rechte der Arbeitnehmer, verbessertes Chemikalien-Management bei der Herstellung und ein reduzierter Anteil gesundheitsschädlicher Chemikalien im Produkt sowie die Rücknahme von Geräten und weitere Faktoren. Außerdem wird auch die Nutzung des Produkts an sich berücksichtigt. So unterliegt beispielsweise bei Computer-Displays und Notebooks die Bildqualität und ein ergonomisches Design dem Prüfkatalog des schwedischen Zertifizierers. Diese Indikatoren-Daten werden dabei unabhängig verifiziert und eignen sich damit gut, um für die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts hinzugezogen zu werden.

In einer Zeit, in der faire Arbeitsbedingungen, Klimaschutz und Müllvermeidung wichtige Faktoren auch für die Reputation von Unternehmen sind, ist der Rückgriff auf eine Typ-1-Zertifizierung in der Beschaffung nicht nur reine Augenwischerei – mit ihr leisten Einkäufer einen wirklichen Beitrag für eine nachhaltigere Entwicklung.

Lassen Sie uns anfangen!

Lesen Sie unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung für einen nachhaltigen IT-Einkauf mit TCO Certified.

Martin Eichenseder ist Geschäftsführer Deutschland Nachhaltige Beschaffung bei TCO Development, der Organisation hinter TCO Certified. In seiner Position ist er Ansprechpartner für Einkäufer von Unternehmen in Deutschland.